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Arbeitgeber bewegen sich

GWD: Nach den Warnstreiks

Arbeitgeber bewegen sich

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Liebe Kolleginnen und Kollegen,

am Dienstag dieser Woche (15. Dezember 2015) fand ganztägig die erste Tarifverhandlung mit dem Arbeitgeberverband BDGW und den dort organisierten bekannten Arbeitgeber-Vertretern statt.
Um es auf einen Nenner zu bringen: Die Arbeitgeber bewegen sich. Leider nur geringfügig in unsere Richtung. Die Verhandlungen fanden in einem konstruktiven Rahmen statt.
Anders als bei der Sondierung (26. November 2015) haben die Arbeitgeber jedoch ihr „prinzipielles Nein" zu unseren Forderungen aufgegeben und zu nahezu allen unseren Forderungen ein erstes Angebot unterbreitet. Zuvor hatten ein 48-stündiger Warnstreik bei Ziemann und ein 24-stündiger Warnstreik bei Prosegur stattfinden müssen.

Der Verhandlungsstand im Einzelnen:


Die Arbeitgeber sind bereit, die betrieblichen Angestellten in den Geltungsbereich unseres zukünftigen regionalen Manteltarifvertrages aufzunehmen.
Es soll eine Schutzklausel für bestehende günstigere vertragliche Regelungen geben.
Die Arbeitgeber bieten anstelle unseres geforderten Urlaubsgeldes eine Erhöhung der Anwesenheitsprämie von 10 Cent ab 2017 an. 2016 soll es nichts zusätzlich geben. 2017 soll die Anwesenheitsprämie in Höhe von 20 Cent je gearbeiteter Stunde (= ca. 350 Euro/Jahr) um 10 Cent erhöht werden. Damit würde sie sich um ca. 180 Euro auf 530 Euro jährlich erhöhen. Die Arbeitgeber wünschen zudem eine Anrechnung bei den Beschäftigten, die bereits ein Urlaubsgeld (wie bei Prosegur) bzw. Zuschläge (wie teilweise bei ZIEMANN) erhalten ...
Bei den Zeitzuschlägen gibt es Einigkeit bei den Mehrarbeitszuschlägen von 25 %; strittig ist jedoch, ab wann die Zuschläge gezahlt werden sollen. Unserer Forderung, die Zahlung ab der ersten Mehrarbeitsstunde am Tag zu leisten, hielten die Arbeitgeber das Angebot entgegen, ab der 194. Stunde in 2016 und ab der 192. Stunde in 2017 den Zuschlag zu gewähren. Anstelle des Sonntagsarbeitszuschlags von 50 % wollen die Arbeitgeber lediglich 30 % gewähren. Die Nachtarbeitsstunde soll ab 2016 mit einem Zuschlag von 7,5 % und in 2017 von 10 % zusätzlich vergütet werden; auch hier ist der Abstand zu unseren geforderten 25 % noch immens. Auch fängt die Nacht bei den Arbeitgebern erst um 22 Uhr und nicht wie bei uns um 20 Uhr an. Arbeit in geplanten Freischichten wollen die Arbeitgeber überhaupt nicht zusätzlich vergüten. Die Arbeitgeber sind bereit die gesetzlichen Feiertage um den Oster- und Pfingstsonntag zu erweitern. An Weihnachten und Silvester soll es aber erst ab 14 und nicht ab 12 Uhr einen Zuschlag von 100 % geben.
Die Arbeitgeber sind nicht bereit eine Gefahrenzulage – wie von uns gefordert – in Höhe von 25 % in der Dunkelheit, zu zahlen, obwohl sie für diese Arbeit zusätzliches Geld von den Auftraggebern kassieren. Die Arbeitgeber verweisen darauf, dass Überfälle relativ selten passieren. Der technische Schutz würde ständig verbessert werden ...
Die Arbeitgeber haben sich bereits in der Sondierung für eine Absicherung der Beschäftigten in Risikofällen ausgesprochen. Es werden zurzeit Versicherungsangebote für eine Gruppenunfallversicherung eingeholt. Die zusätzlichen Sterbegelder bei Todesfällen durch Fremdeinwirkungen während der Arbeitszeit sollen in Höhe der von uns geforderten sechs Bruttomonatsentgelte vereinbart werden. Die Entschädigung bei psychischen oder physischen Verletzungen soll jedoch nur in Höhe von zwei – anstelle der von uns geforderten drei Bruttomonatsentgelte – ausgezahlt werden.
Der Anspruch von bezahlten Rüstzeiten soll deklaratorisch in den Tariftext aufgenommen werden. Deklaratorisch deshalb, weil die Arbeitgeber richtigerweise der Auffassung sind, Rüstzeiten seien selbstverständlich bezahlte Arbeitszeit und müssten nicht eigenständig geregelt werden. Dennoch teilen Sie mit uns die Auffassung, dass eine tarifliche Erklärung betriebliche Streitigkeiten und Irritationen vermeiden hIlft. Anders sieht es bei den bezahlten Umziehzeiten aus. Die Arbeitgeber halten es für normal, dass die Beschäftigten sich zuhause die Unternehmensbekleidung anziehen. Wer dies nicht möchte, könne dies gerne im Unternehmen tun, jedoch ohne Bezahlung. Dass es nicht im Eigeninteresse des Beschäftigten sein könne, eine uniformähnliche Bekleidung in der Öffentlichkeit zu tragen und damit auch ungewollt Rückschlüsse auf die Arbeitsstätte zu geben, ließen sie nicht gelten.
Beim Jubiläumsgeld, bieten die Arbeitgeber eine Staffelung an: 10 Jahre/150 Euro, 20 Jahre/400 Euro, 30 Jahre/1.000 Euro. Wir halten diese Geldbeträge und auch die Jahresstaffelung für eine wertschätzende Anerkennung noch für zu gering.
Eine Gesundheitszulage in Höhe der von uns geforderten 80 Euro im Monat je Beschäftigten für Aufwendungen zur Erhaltung und Förderung der Gesundheit können sich die Arbeitgeber in dieser Form nicht vorstellen. Von Arbeitgeberseite wurde ein Vorschlag eingebracht, die Zahlung an eine etwaige Krankenquote zu koppeln. Wir sind auf die Konkretisierung dieses Vorschlages gespannt.
Wir sind noch sehr weit von unseren Zielen und dem Abschluss eines Manteltarifvertrages in unserer Region entfernt. Wir erkennen an, dass die Arbeitgeber ihr prinzipielles Nein bei fast allen uns wichtigen manteltariflichen Regelungen abgelegt haben.
Als nächster Verhandlungstag wurde der 11. Januar 2016 vereinbart. Wir erwarten von der Arbeitgeberseite ein neues, merklich verbessertes Angebot. Die ver.di-Tarifkommission wird am 14.01. das neue Angebot bewerten und über notwendige Arbeitskampfmaßnamen entscheiden.
Eine gute Nachricht zum Schluss: Aufgrund des erhöhten gewerkschaftlichen Organisationsgrades in Berlin-Brandenburg wird der Bundesfachgruppenvorstand über ein Zusatzmandat in der neu zu wählenden ver.di-Bundestarifkommission Geld- und Wertdienste entscheiden. Wir sind – nahezu gleichauf mit Niedersachsen – auf dem zweiten Rang. Die Wahl der Bundestarifmandate wird im Frühjahr sein. Die Mandate werden auf die beiden organisierten Belegschaften bei Ziemann und Prosegur aufgeteilt. Damit sind wir für die kommende Lohnrunde Ende des nächsten Jahres gut aufgestellt.

Lasst uns Kurs halten!

Mit besten Grüßen

Eure ver.di Landestarifkommission Geld- und Wertdienste in Berlin-Brandenburg

PS: Hier finden Sie die Stellungnahme der Arbeitgeberseite: http://www.bdgw.de/presse/bdgw-pressemitteilungen/sondertarifverhandlungen-berlin-arbeitgeber-unterbreiten-erfolglos-neues-angebot